Das Zebra hat seinen ersten Cache gehoben.
Das Geocaching-Fieber hat das Zebra gepackt. Nach dem Lesen eines Artikels über Geocaching in irgendeiner Tageszeitung, wußte es, dass es ein neues Hobby gefunden hatte. Geocaching ist die ideale Kombination aus Schwelgen in Kindheitserinnerungen an Schnitzeljagden, Indiana-Jones-Abenteuerphantasien und ein bisschen Bewegung für die persönliche Fitness. Außerdem hat es etwas mit Männerspielzeug zu tun, weil das Zebra sich ja zuerst mal ein GPS-Gerät kaufen musste. Es schleppt nun ständig einen Oregon 300 mit sich herum, um zu überprüfen, ob das Teil auch genau die Stelle anzeigt, von der das Zebra weiß, dass es sich da gerade befindet.
Aus Gründen der Selbstmotivation – die bei einem ersten Misserfolg stark gelitten hätte – und um die Anschaffung des teuren GPS-Gerätes nicht in Frage stellen zu müssen, suchte sich das Zebra als erste Aufgabe einen einfachen Traditional in seiner Nähe aus. Den Gedenkstein im Weißer Rheinbogen kannte das Zebra nämlich schon. Aber statt jetzt da hin zugehen und die Suche dort zu beginnen, startete das Zebra zu Hause. Schummeln ist schließlich doof. Bloß blöd, dass das GPS-Gerät, anders als das Navigationsgerät im Auto, einem nicht einfach den schnellsten Weg zum Ziel lotst. Stattdessen zeigt es die aktuelle Position auf der Karte an und eine Peillinie zum Ziel. Außerdem zeigt es die Entfernung zum Ziel an. Nur ist die angezeigte Entfernung, die Entfernung in Bezug auf die Peil- also die Luftlinie. Es ist daher notwendig, sich auf der Karte, die auf dem Mini-Bildschirm des GPS-Geräts angezeigt wird, einen geeigneten Weg möglichst dicht entlang der Peillinie zu suchen. Da dies auf dem kleinen Bildschirm nicht so ganz einfach ist, das Zebra die Gegend ja eigentlich ganz gut kennt und überhaupt für einfache Lösungen ist, beschloss es, die letzten 200 Meter einfach querfeldein zu gehen. Nun ja… Querfeldein bedeutete in diesem Fall brusthohes Dornengestrüpp, gefolgt von einem verschlammtem Reitweg. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben und überhaupt ist ein Abenteuer ohne Kratzer und Dreck auch gar kein richtiges Abenteuer. Als der Oregon dann endlich piepsender Weise signalisierte, dass das Ziel erreicht sei, stellte das Zebra fest, dass so ein GPS-Gerät einen Ort nur mit einer Abweichung von bis zu mehreren Metern anzeigt. Nun sind ein paar Meter in einem Wald, wenn man einen versteckten Cache in der Größe einer Tupperdose sucht, immer noch eine ziemliche Herausforderung. Da hilft nur sich zu überlegen, wo man selber einen Cache verstecken würde – und die „Additional Hints“ zu lesen. Das Erfolgserlebnis, wenn man ihn dann entdeckt und gehoben hat, ist jedenfalls jede Anstrengung vorher wert. Es ist wie bei einem Überraschungsei. Man weiss vorher, dass nichts wertvolles oder nützliches drin ist, aber man ist trotzdem immer wieder neugierig und freut sich wie ein kleines Kind, wenn man es aufgemacht und das Spielzeug zusammengesetzt hat. Das Zebra hat in seinem ersten Cache zudem gleich einen Travel Bug gefunden. Das war in diesem Fall eine kleine Walrobbe aus Stoff, die mit einer Metallplakette versehen ist. Auf der Metallplakette ist eine Nummer eingraviert, an Hand derer der Weg des Travel Bug von Cache zu Cache im Internet verfolgt werden kann. Das Zebra hat Walrob daher mitgenommen, um ihn demnächst wieder am Wasser auszusetzen. Das ist aber eine neue Geschichte. Jedenfalls hat das Zebra sich dann im Logbuch des Caches eingetragen und bedankt, hat seinen Oregon ausgeschaltet, ist die paar Meter zum Fuß- und Radweg gegangen und dann – ohne sich wieder die Schuhe dreckig zu machen oder die Klamotten zu zerreißen – gemütlich und zufrieden nach Hause getrabt.

Walrob am Rhein im Weißer Rheinbogen